Friedenskonferenz in der Usinger Bait-Ul-Huda Moschee am Montagabend

(cju). Einen Beitrag zum Frieden möchten die Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland leisten und haben deshalb in ihren Dependancen zu Friedenskonferenzen eingeladen. Auch in Usingen war man am Montagabend in der Bait-Ul-Huda Moschee zusammengekommen.

Neben Vertretern der Usinger Kommunalpolitik und interessierten Gästen konnte Asem Belal Arif Bürgermeister Matthias Drexelius, den Landtagsabgeordneten Holger Bellino und Rechtsanwältin Monika Banzer (alle CDU) sowie den Imam der Nuur-Moschee in Frankfurt-Sachsenhausen, Hadayatullah Hübsch als Hauptredner, begrüßen. Der 1946 in Chemnitz geborene Schriftsteller und Journalist war lange Pressesprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat und konvertierte vor mehr als dreißig Jahren zum Islam.

Die Bedrohung des Friedens wachse in der Welt, so Hübsch in seiner Ansprache, deshalb wolle man für den Islam Zeichen setzen. “Wir sind keine Wölfe, die Kreide gefressen haben”, so Hübsch. Egal, ob in Deutschland geboren oder aus dem Ausland kommend, sei man Bürger dieses Landes. Um den Frieden zu erhalten sei es wichtig, dass der Staat die Rahmenbedingungen dafür schaffe. Eine schwere Aufgabe, wie der Journalist einräumte, die aber unabdingbar sei. Der Zugang zu Bildung sei ungemein wichtig, die Gleichberechtigung der Geschlechter, aber auch der Religionen müsse gesichert sein. “Im Koran steht, dass wir, die unterschiedlichen Stämme, voneinander lernen sollen”, zitierte Hübsch die Schriften des Propheten, auch Deutschland sei mittlerweile multikulturell. In den sechziger Jahren habe man sich Gastarbeiter ins Land gerufen und durch Reisen ins Ausland Neues kennengelernt. “Deutschland ist ein Land mit verschiedenen Kulturen und Religionen geworden, aber wir sind alle Bürger eines freien Landes”. Es sei keine Schande, anders zu sein, es bereichere vielmehr.

Muslimen sei es verboten, gegen die Staatsmacht anzukämpfen, sie hätten sich vielmehr unterzuordnen oder das Land zu verlassen, so Hübsch weiter. In seiner Darstellung des “heiligen Kampfes”, des Dschihads, unterstrich Hübsch, dass dieser Kampf nichts mit Terror und Bomben zu tun habe. Im Koran finde sich keine Stelle, wo zum “Tod für die Ungläubigen” aufgerufen werde.

Zur Verteidigung der eigenen Freiheit sei der kleine Dschihad gedacht, aber auch er beinhalte keine Aggressionen. Der große Dschihad diene zur Verbreitung einer religiösen Wahrheit mit der Schrift, dem Koran also. Der größte Dschihad sei der Kampf gegen die eigenen Schwächen und Fehler, der jeden Tag aufs Neue in Angriff genommen werden müsse. “Wir sollten uns als Menschen der Religion widmen, uns selbst kennenlernen und prüfen, wie man sich zum Guten verändert”, so der Appell des Schriftstellers an die Gäste. Wichtig sei deshalb auch, dass Juden und Christen den Koran studierten, Muslime in der Bibel lesen. Bürgermeister Matthias Drexelius und Landtagsabgeordneter Holger Bellino griffen in ihren Reden die Wichtigkeit des Friedens auf allen Ebenen auf und Drexelius erläuterte, dass der Begriff “Frieden” ebenso leicht über die Lippen gehe wie “Liebe”. Bei beiden müsse aufgepasst werden, dass sie auch gelebt würden und nicht nur Lippenbekenntnisse blieben. Bildung, das sehe er auch so, sei sehr wichtig und der Schlüssel für vielerlei. Umso wichtiger, dass dieses Angebot angenommen werde. Eltern dürften hier nicht ihre Verantwortung an die jeweilige Einrichtung abgeben, sondern selbst den Ackerboden für die Pflanze der Bildung bereiten. Nicht übereinander, sondern miteinander reden müsse das Ziel sein, betonte Holger Bellino, Verständnis und Freundschaft ließen keinen Platz für Hass oder Krieg. Man müsse sich gegenseitig Respekt zollen. Die Freiheit der Religion und des Individuums sei schon im Grundgesetz verankert und das sei gut so. Er selbst werde im Hessischen Landtag einer Enquetekommission zum Thema Integration angehören und das Thema beobachten.

Vor den Redebeiträgen hatten die Muslime noch Suren aus dem Koran vorgetragen und übersetzt. Junge Mädchen aus der Gemeinde hatten zudem ein Gedicht von Hadayatullah Hübsch, “Frieden entsteht im Herzen”, vorgetragen. Nach den Redebeiträgen lud die Gemeinde ihre Gäste zum Büfett ein.