
Legte im Beisein zahlreicher Vertreter der Ahmadis und des stellvertretenden Stadtpräsidenten Lienhard Böhning den Grundstein: Abdullah Uwe Wagishauser. Foto: TIM JELONNEK
„Die Muslime müssen aus den Hinterhöfen herauskommen.“ Mit diesem Appell warb gestern Abdullah Uwe Wagishauser, der nationale Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Jamaat Deutschland, während der Grundsteinlegung für einen verstärkten Integrationsprozess. Mit Blick auf die Moschee, die bereits Ende Oktober bezogen werden soll, sagte er: „Wir sind auch in Lübeck transparenter geworden.“
„Unser Gebetshaus steht allen offen, jeder ist willkommen“, sagen die Pressesprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat-Gemeinde Lübeck und Segeberg, Farid Ahmed und Waseem Ahmed. Um dies zu symbolisieren, hatten sie zur Grundsteinlegung am späten Freitagnachmittag Vertreter aller Konfessionen in Lübeck eingeladen. Auf einem knapp 2000 Quadratmeter großen Grundstück im Gewerbegebiet, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Zeugen Jehovas, wollen die Mitglieder der Gemeinde, die den Namen „Mahdi Abad“ trägt, die 400 Quadratmeter große Moschee „Bait-Aafieat“ mit elf bis zwölf Meter hohem Minarett errichten. Architekt für das Bauvorhaben ist Martin Vosseler, die Gesamtinvestition liegt bei rund 500 000 Euro.
Erst kürzlich hatten die Ahmadiyya Muslim Jamaat in Bad Segeberg von sich reden gemacht: Sie hatten 700 000 Euro für den Kauf der Jugendbildungsstätte „Mühle“ geboten, um in den Räumlichkeiten ein überregionales Schulungszentrum einzurichten. Im Zuge der politischen Diskussion zogen die Ahmadiyya schließlich ihr Angebot zurück, der Zuschlag ging an Möbel Kraft.
Davon, dass es Stress mit ängstlichen Nachbarn geben könnte, geht Waseem Ahmed nicht aus. Er, der die Bauvoranfrage einreichte und Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt führte, sagt: „Von Bauvorhaben aus anderen Städten wissen wir, dass dann, wenn im Vorwege alles vernünftig geklärt wurde, auch später keine Probleme auftraten.“ Und in Lübeck lief alles prima: „Wir sind sehr zufrieden mit Stadt und Bauamt, uns wurden keine Steine in den Weg gelegt.“ Und auch wenn die Ahmadiyya ihre Moschee bauen dürfen, so müssen sie sich an strenge Regeln halten. So wird der Muezzin nicht, wie zum Beispiel in der Türkei üblich, per außen am Minarett angebrachtem Lautsprecher zum Gebet rufen.
Dass sich der Aufwand lohnt, davon sind die beiden Gemeindesprecher überzeugt. „Wir haben allein in Lübeck rund 60 Mitgliedsfamilien, die sich bislang in Kellerräumen der überwiegend selbstständigen Geschäftsleute zum Beten getroffen haben“, sagt Farid Ahmed, der bei der BKK Dräger-Hanse tätig ist. Abdullah Uwe Wagishauser lobte Lübeck: „Es gibt nicht überall so weltoffene Städte.“ Dass sich Muslime, von denen viele schon seit Jahrzehnten in Deutschland leben würden, ohne große Probleme eine Moschee bauen dürften, sei ein Zeichen dafür, „dass sie zuhause angekommen sind“.
Lübecks stellvertretender Stadtpräsident Lienhard Böhning betonte: „Kein Lübecker muss durch den Bau einer Moschee um den Verlust seiner religiösen Werte fürchten.“ Er habe die Hoffnung, dass in Lübeck Menschen unterschiedlicher Religionen und Herkunft im Dialog miteinander sich besser kennen lernten und Vorurteile abbauten. Er wünsche sich, dass die Moschee zu „einem Ort der Toleranz wird“. Böhning hob hervor, dass die Reformgemeinde der Ahmadis „den Islam als ein Bekenntnis zum Frieden unter den Mitmenschen“ versteht und nannte sie „eine weltoffene und tolerante Gemeinschaft“.
Von Torsten Teichmann und Sabine Risch