Von Christine Cornelius

RELIGION Nuur-Moschee in Frankfurt wird 50 / Einziger Schmuck sind zwei Minarette

Moslemische Gläubige nehmen in der Nuur-Moschee in Frankfurt am traditionellen moslemischen Mittagsgebet teil und lauschen den Worten des Imam (vorn rechts). Zum traditionellen Freitagsgebet ist die Moschee stets gut besucht. Archiv/dpa

Schlichte weiße Raufasertapete, grüner Teppichboden, an der Wand ein schwarzer Flachbildschirm. Schön ist der Innenraum der Nuur-Moschee in Frankfurt-Sachsenhausen nicht. Das soll er aber auch gar nicht sein. “Je schöner die Moschee, desto schwächer der Glaube”, sagt der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser. Der einzige Schmuck an der in grün und weiß gehaltenen Moschee, deren arabischer Name “Nuur” übersetzt “Licht Gottes” bedeutet, sind ihre zwei Minarette. An diesem Samstag feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen und ist damit eine der ältesten Moscheen Deutschlands.

Freitags gut besucht

Seit ihrer Gründung im Jahr 1959 ist die Nuur-Moschee besonders zum traditionellen Freitagsgebet gut besucht. Proteste habe es beim Moscheebau seinerzeit nicht gegeben, schildert Wagishauser. Im Gegenteil: “Überall hieß es: “Oh, das ist aber ein interessantes Gebäude”.” Die Stadt habe sich mit der Nuur-Moschee geschmückt. Der 59-Jährige selbst stammt aus einer katholischen Familie und trat in den Siebzigerjahren nach einer Orient-Reise zum Islam über.

Im achteckigen Innenraum haben laut dem Konvertiten 150 Gläubige Platz. Frauen und Männer beteten getrennt, sonst wäre manch einer zu stark abgelenkt, erklärt er. “Die Gebete sind sehr körperbetont: Wir stehen Schulter an Schulter und werfen uns auf den Boden.”

Angespanntes Verhältnis

Fazal Ilahi Anweri war in den Sechziger- und Siebzigerjahren Imam der Moschee. Damals hätten Ahmadi-Muslime häufig mit Angehörigen anderer muslimischer Strömungen gemeinsam gebetet, erinnert sich der 82-Jährige. Heute sei das innerislamische Verhältnis sehr angespannt. Zusammen gebetet werde schon lange nicht mehr. “In einigen Ländern gelten wir als Nicht-Muslime”, ergänzt Wagishauser. Vor allem in Pakistan – von dort stammten die meisten Ahmadi-Muslime – würden die Anhänger der Glaubensgemeinschaft verfolgt. Grund ist laut Wagishauser ihre Überzeugung, der erwartete Messias sei bereits erschienen – in Gestalt von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad. Dieser habe 1889 in Indien die Ahmadiyya Muslim Jamaat gegründet, die inzwischen weltweit 70 bis 80 Millionen Mitglieder zähle. Wenn der frühere Vorbeter Anweri an seine ersten Jahre als Imam zurückdenkt, leuchten seine Augen. Besonders lebhaft erinnere er sich an einen ganz besonderen Besucher der Nuur-Moschee, sagt er und zeigt auf ein vergilbtes Foto: 1966 habe Muhammad Ali zum Freitagsgebet vorbeigeschaut. Zwar sei die Box-Legende kein Ahmadi gewesen, sondern habe sich als “Black Muslim” verstanden, als schwarzer Muslim. Die Zugehörigkeit zum Islam habe die Männer jedoch verbunden.

In Frankfurt zählt die Ahmadiyya-Gemeinde laut Wagishauser derzeit etwa 2000 Gläubige.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat verstehe sich als wertkonservative und liberale Reformgemeinde, erklärt Wagishauser. Besonderen Wert lege er auf die Integration der Mitglieder in die deutsche Gesellschaft: “Loyalität zu dem Land, in dem man lebt, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.” So stehe die Gemeinde in regem Kontakt mit verschiedenen politischen Parteien. Die überwiegende Mehrheit der Gläubigen habe die deutsche Staatsbürgerschaft.