Link zum Video: Guten Abend RTL Hessen
Etwa 300.000 Muslime leben in Hessen – für sie ist im Moment Ramadan, Fastenzeit. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang dürfen gläubige Moslems dann nicht essen, trinken oder rauchen – wenn man die Regeln ganz streng auslegt, ist sogar Kaugummi kauen verboten. Deli Motamedi erklärt, was dahintersteckt – und stellt uns einen Gläubigen vor, dem diese Art des Fastens ganz besonders schwer fällt.
Warum fasten die Muslime?
Fasten ist eine Form des Gottesdienstes und ist eine der fünf Säulen des Islam. Damit gilt es als Hauptpflicht neben dem Bezeugen der Einheit Gottes und der Prophetenschaft Muhammeds, das täglich fünfmalige Gebet, die Wallfahrt nach Mekka und das Entrichten der Zakat. Laut Koran soll durch das Fasten die Zufriedenheit Gottes erlangt werden.
Durch das physische und psychische Fasten wird der Gläubige gereinigt und geläutert; die Beziehung zu Gott und den Mitmenschen wird gefestigt. Das schließt z.B. auch Barmherzigkeit gegenüber Armen und Bedürftigen und den Zusammenhalt in der Familie mit ein. Nach der Fastenzeit kann somit mit neuer Kraft der Alltag angegangen werden.
Wer muss fasten, wer nicht?
Fasten ist für jeden weiblichen und männlichen, körperlich gesunden, „geistig zurechnungsfähigen“ Muslim ab der Pubertät Vorschrift. Kinder sollen so viele Tage fasten, wie sie können, um sich an den kompletten Ramadan langsam zu gewöhnen.
Kranke, alte Menschen, schwangere und stillende Frauen, Frauen in der Menstruation und ähnliche Personengruppen sind nicht verpflichtet zu fasten. Kranke sollen für jeden versäumten Fastentag einen Bedürftigen speisen, andere, deren Situation sich bessern wird wie z.B. Schwangere holen die versäumten Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nach.
Wie wird im Islam gefastet?
Die Gläubigen verzichten in der Ramadan-Zeit auf Essen und Trinken von Morgendämmerung bis Sonnenuntergang sowie auf Sex mit dem Ehepartner. Abgesehen von diesen physischen Enthaltungen soll der Muslim sich außerdem „sündenfrei“ verhalten und die Gottesabhängigkeit erkennen und sich Gebeten und dem Lesen des Korans hingeben.
An welchen Tagen wird gefastet?
Der Ramadan ist der neunte Monat im islamischen Mondkalender – dadurch verschiebt sich der Monat Ramadan 10 oder 11 Tage pro Jahr nach vorne und durchschreitet allmählich alle Jahreszeiten. So gibt es Ramadanphasen.
Ein Muslim wird deswegen während seines Lebens schwierige Fastentage an langen Sommertagen sowie leichtere an kurzen Wintertagen erleben.
2009: 21. August bis 19. September
2010: 11. August bis 9. September
2011: 1. August bis 30. August
Was heißt „Ramadan“?
„Ramadan“ ist ein arabisches Wort und bedeutet “brennende Hitze und Trockenheit” . Im Ramadan sind Herz und Seele für die Anbetung und das Gedenken an Gott empfänglicher, so wie Sand und Steine für die Hitze der Sonne. So hilft der Ramadan dem Gläubigen sich neu zu formen und seine physischen und geistigen Veranlagungen und Verhalten zu erneuern.