Einst kam sogar Muhammad Ali
Von Christine Cornelius, 09.09.2009

Nuur-Moschee

Frankfurt. Schlichte weiße Raufasertapete, grüner Teppichboden, an der Wand ein schwarzer Flachbildschirm. Schön ist der Innenraum der Nuur-Moschee in Frankfurt-Sachsenhausen nicht. Das soll er aber auch gar nicht sein.

«Je schöner die Moschee, desto schwächer der Glaube», sagt der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya Muslim Jamaat in Deutschland, Abdullah Uwe Wagishauser. Der einzige Schmuck an der in grün und weiß gehaltenen Moschee, deren arabischer Name «Nuur» übersetzt «Licht Gottes» bedeutet, sind ihre zwei Minarette.

Am 12. September feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen und ist damit eine der ältesten Moscheen Deutschlands.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1959 ist die Nuur-Moschee besonders zum traditionellen Freitagsgebet gut besucht. Proteste habe es beim Moscheebau seinerzeit nicht gegeben, schildert Wagishauser. Im Gegenteil: «Überall hieß es: “Oh, das ist aber ein interessantes Gebäude”.»

Die Stadt habe sich mit der Nuur-Moschee geschmückt. Der 59-Jährige selbst stammt aus einer katholischen Familie und trat in den siebziger Jahren nach einer Orient-Reise zum Islam über.

Im achteckigen Innenraum haben laut dem Konvertiten 150 Gläubige Platz. Frauen und Männer beteten getrennt, sonst wäre manch einer zu stark abgelenkt, erklärt er. «Die Gebete sind sehr körperbetont: Wir stehen Schulter an Schulter und werfen uns auf den Boden.»

Fazal Ilahi Anweri war in den sechziger und siebziger Jahren Imam der Moschee. Damals hätten Ahmadi-Muslime häufig mit Angehörigen anderer muslimischer Strömungen gemeinsam gebetet, erinnert sich der 82-Jährige. Heute sei das innerislamische Verhältnis sehr angespannt.

Zusammen gebetet werde schon lange nicht mehr. «In einigen Ländern gelten wir als Nicht-Muslime», ergänzt Wagishauser. Vor allem in Pakistan – von dort stammten die meisten Ahmadi-Muslime – würden die Anhänger der Glaubensgemeinschaft verfolgt.

Grund ist laut Wagishauser ihre Überzeugung, der erwartete Messias sei bereits erschienen – in Gestalt von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad. Dieser habe 1889 im heutigen Indien die Ahmadiyya Muslim Jamaat gegründet, die inzwischen weltweit 70 bis 80 Millionen Mitglieder zähle.

Wenn der frühere Vorbeter Anweri an seine ersten Jahre als Imam zurückdenkt, leuchten seine Augen. Besonders lebhaft erinnere er sich an einen ganz besonderen Besucher der Nuur-Moschee, sagt er und zeigt auf ein vergilbtes Foto: 1966 habe Muhammad Ali zum Freitagsgebet vorbeigeschaut.

Zwar sei die Box-Legende kein Ahmadi gewesen, sondern habe sich als «Black Muslim» verstanden, als schwarzer Muslime. Die Zugehörigkeit zum Islam habe die Männer jedoch verbunden.

In Frankfurt zählt die Ahmadiyya-Gemeinde laut Wagishauser derzeit etwa 2000 Gläubige. Eine von ihnen ist Attia Nuur Ahmad-Hübsch. An der Glaubensgemeinschaft schätze sie, dass freies Denken gefördert werde. Ihr Kopftuch trage sie freiwillig.

Sie signalisiere Männern damit, nicht belästigt werden zu wollen. «Ich möchte als Frau nicht auf mein Aussehen reduziert werden», sagt die 33-Jährige mit Nachdruck. Männer sollten sie nach ihrem Intellekt beurteilen.

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat verstehe sich als wertkonservative und liberale Reformgemeinde, erklärt Wagishauser. Besonderen Wert lege er auf die Integration der Mitglieder in die deutsche Gesellschaft: «Loyalität zu dem Land, in dem man lebt, ist für uns eine Selbstverständlichkeit.»

So stehe die Gemeinde in regem Kontakt mit verschiedenen politischen Parteien. Die überwiegende Mehrheit der Gläubigen habe die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Ahmadi-Muslime seien «in alle Richtungen» dialogbereit und luden immer wieder zum Gespräch mit anderen Religionen ein, sagt Wagishauser. Zuletzt habe ein Franziskaner-Mönch in der Nuur-Moschee einen Vortrag gehalten.

Im Austausch sei ein Imam zum Franziskaner- Kloster gefahren. Am wichtigsten sei es jedoch, dass die Ahmadi- Muslime selbst über ihre Gemeinde Bescheid wüssten: «Unfug kommt immer daher, dass die Menschen ihre eigene Religion nicht verstehen und sich von ihren Führern hinters Licht führen lassen.»