LAHR. Am 11. September spielt die Altherrenmannschaft des LFV gegen eine Auswahl der Ahmadyya Muslim Jamaat e.V. Der Verein bezeichnet sich selbst als islamische Reformgemeinde. Seit 1990 besteht eine solche Gemeinde in Lahr und ist bis jetzt eine eher unbekannte Größe im Lahrer Vereinsleben.
“Bei dem Fußballspiel geht es nicht nur um Sport”, erklärt Vorsitzender Mubarak Choudry. “Wir wollen damit ein Zeichen setzen für Fairness, Frieden, Freiheit und Freundschaft.” Außerdem soll die Veranstaltung dazu beitragen, sich gegenseitig besser kennen zu lernen. Jedes Jahr unternimmt die islamische Gemeinde Ahmadyya Muslim Jamaat eine Aktion, um für ein friedliches Miteinander zu werben. Vergangenes Jahr pflanzten sie einen Kirschbaum im Werderpark gemeinsam mit Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller. Außerdem beseitigen sie jedes Jahr den Silvestermüll am Neujahrsmorgen in der Stadt – ehrenamtlich.
Mubarak Chodry ist der Vorsitzende der männlichen Abteilung seiner Gemeinde in Lahr. 1989 ist er von Pakistan nach Deutschland gezogen. Seine vier Kinder sind in Offenburg und Lahr geboren, und auch er fühlt sich zu 100 Prozent deutsch. “Als 2006 die Fußballweltmeisterschaft war, habe ich mein Auto ganz mit deutschen Fahnen zugehängt.” Seinen Beruf kann er hier nicht so ausüben, wie er möchte. In Pakistan hat er eine Ausbildung zum Textilarbeiter gemacht aber hier in der Region gibt es nicht genügend Arbeit in diesem Bereich. Also absolvierte er bei der IHK eine Umschulung zur Fertigungskraft in der Metallverarbeitung. Im Moment ist er arbeitssuchend, verbittern kann ihn das aber nicht. “Ich bin stolz darauf, ein Deutscher zu sein.”
Seit 1990 gibt es eine Abteilung der deutschlandweiten Gemeinschaft in Lahr, mittlerweile zählt sie 40 Mitglieder. Die katholische Kirchengemeinde stellt der Reformgemeinde kostenlos einen Saal im Kindergarten Sancta Maria zur Verfügung. Dort findet unter anderem wöchentlich ihr Freitagsgebet statt, das in dieser muslimischen Sondergruppe von Frauen und Männern gemeinsam begangen wird. Die Zusammenarbeit zwischen seiner Gemeinde und der katholischen Kirche beschreibt Choudry als sehr lebendig. “Wir helfen uns oft gegenseitig aus, wenn Leute gebraucht werden.”
Die Ahmadyya Muslim Jamaat e.V. ist in über 170 Ländern vertreten und umfasst rund 200 Millionen Mitglieder. Die Gemeinde in Lahr ist eine von 250 deutschen Gemeinden mit insgesamt 40 000 Mitgliedern. Sie berufen sich auf ihren Gründer Hazrat Mirza Ghulam Ahmad, der für sich in Anspruch nimmt, ein von Gott erwählter Prophet zu sein. Seine Anhänger sehen ihn als den erwarteten Heilsbringer aller Religionen. Einer ihrer Slogans: “Liebe für alle, Hass für keinen.” Sie sind gegen Terrorismus und jede Art von Gewalt. “Selbstmordattentate und Dschihad, darüber steht nichts im Koran, der Islam ist eine friedlich Religion”, stellt Choudry klar. Sie treten für eine Trennung von Staat und Religion ein, was ihnen in Pakistan zum Verhängnis wurde: Nach einer Verfassungsänderung in den 1970er Jahren sind sie dort eine “nicht-muslimische-Minderheit”. Choudry: “Wir dürfen uns in Pakistan nicht mehr Muslime nennen, schon dafür werden wir bestraft.” Verurteilungen von Ahmadis wegen Gotteslästerung sind häufig. Dass der Termin des Fußballspiels ausgerechnet der 11. September ist, der als Datum immer mit dem islamischem Terror in Verbindung gebracht wird, ist ihm noch gar nicht aufgefallen. “Wir stehen für die andere, richtige Seite des Islam, die ein friedliches Miteinander will.”
