Würdigung: Ahmadiyya-Gemeinde ehrte muslimischen Nobelpreisträger Abdus Salam

Bensheim. In einer mit hochkarätigen Gästen besetzten Veranstaltung hat die Ahmadiyya-Gemeinde Bergstraße an den ersten muslimischen und bis heute einzigen pakistanischen Nobelpreisträger erinnert. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wurde Professor Dr. Abdus Salam 1979 für seine vereinheitlichte Theorie der elektromagnetischen und schwachen Wechselwirkung von der königlich-schwedischen Akademie ausgezeichnet.

Glaube als Inspiration

Salam (1926-1996) war Mitglied der Ahmadiyya Muslim Jamaat und verstand es, seinen Glauben als Inspiration für seine Forschungen zu nutzen und Religion nicht als Widerspruch zur wissenschaftlichen Arbeit zu begreifen. In der Bensheimer Bashier-Moschee waren am Freitag namhafte Wissenschaftler, Schriftsteller und Weggefährten Salams zu Gast, um über Leben und Wirken des Physikers zu sprechen.

30 Jahre nach dem Nobelpreis, den er gemeinsam mit Steven Weinberg und Sheldon Lee Glashow erhielt, gilt Salam als einer der renommiertesten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts. Noch heute wird er in einem Kontext mit Einstein, Newton, aber auch mit islamischen Forschern wie Ibn-Sina oder Al-Khwarzimi genannt, wie Moderator Bilal Aslam, Student der Islamwissenschaften in Heidelberg, in seiner Einführung betonte. “Er hat der Wissenschaft in den Entwicklungsländern den Weg geebnet”, so der Wissenschaftsjournalist Dr. Gordon Fraser in Bensheim. Fraser, Autor einer Salam-Biografie, betonte die Forschungsleistung eines Mannes, der bereits im Alter von 14 Jahren durch außergewöhnliche Leistungen aufgefallen war. Von der Universität Punjab in Lahore wechselte er über ein Stipendium nach Cambridge, wo er 1949 in Mathematik und Physik einen brillanten Abschluss machte.

Wissenschaftlich isoliert

“Er erkannte früh seinen begrenzten Horizont in der ländlichen Provinz”, so Fraser. In der Folgezeit pendelte er zwischen England und Pakistan, seiner alten Heimat im muslimischen Teil Britisch-Indiens, die seit 1947 einen neuen Namen trug. Da er in Punjab durch seine Religion wissenschaftlich isoliert war, ging er mit seiner Familie endgültig nach Cambridge.

Schon damals wurden die Ahmadis in Pakistan als Sektenmitglieder geächtet, 1974 wurden sie aus der muslimischen Gemeinschaft ausgeschlossen. Wie Fraser erklärt, sei Salams wissenschaftlicher Einfluss in der Heimat aus Motiven religiöser Intoleranz unterschlagen worden.

Am Beispiel des Nobelpreisträger skizzierte der Journalist den Niedergang der Naturwissenschaften in der islamischen Welt: Vom einstigen Welt-Zentrum entwickelte man sich zu einem einzigen Entwicklungsland der Wissenschaft.

Familienmitglieder in Bensheim

Fraser bezeichnete Salam als Anwalt der Benachteiligten, der junge Wissenschaftler unterstützte und ihnen über sein Internationales Zentrum für Theoretische Physik in Triest eine Förderung zukommen ließ: “Er hätte mehr für sein Land tun können, aber sie wollten ihn nicht.” Auch zwei Mitglieder aus der Familie Salams waren in Bensheim: Mohammad Abdur Rashid, der aus London angereist war, und sein Neffe Ahmad Majid, der als Dozent in Wien tätig ist. Als enger Vertrauter des Physikers war Dr. Naeem Tahir anwesend. Er nannte Abdus Salam einen Mann des Friedens und großen Menschenfreund, der ihm bei seiner wissenschaftlichen Karriere sehr geholfen habe: “Die Teilchenphysik ist gut besetzt. Wenn du nicht so klug bist wie Einstein, rate ich dir zur Plasmaphysik”, sagte er dem jungen Kollegen.

“Intellektuelles Genie”

Ein weiterer ehemaliger Student Salams ist Professor Michael Duff vom Imperial College in London, der in Bensheim über die Beziehung zu seinem großen Lehrmeister berichtete. Über Salams wissenschaftliche Errungenschaften referierte der Physiker Dr. Sascha Eschborn, ein gebürtiger Bensheimer, der den Nobelpreisträger auf eine Stufe mit Bohr, Heisenberg und Einstein stellt. “Wissen ist Teil der Kultur”, hat Prof. Abdus Salam einmal gesagt. Seine Schüler und Kollegen nannten ihn ein “intellektuelles Genie” und einen “mystischen Wissenschaftler”.

Im Rahmen des Vortragsabends, dem eine kleine Ausstellung angeschlossen war, gaben die Referenten ihrer Hoffnung Ausdruck, dass Salams 1965 gegründete Institut weiterhin die Forschung in den Entwicklungsländern fördert und so den internationalen wissenschaftlichen Austausch im Sinne seines Gründers am Leben hält. tr