Von Annika Ruhfaut
MÜNSTER Das Minarett-Verbot nach einer Volksabstimmung in der Schweiz macht auch Muslime in Münster betroffen. Erst am Freitag wurde hinter dem Bahnhof mit einem Opferfest die neue Moschee eröffnet. Auch sie ziert ein Minarett.
Mustafa Dayioglu, Vorsitzender der Türkisch-Islamischen Union in Münster, sagt zur Entscheidung in der Schweiz: „Ich verstehe das nicht. Das hat nichts mit Religionsfreiheit zu tun.“
Das Minarett in Münster trägt keine Lautsprecher. Somit wird von dort kein Muezzin-Ruf durch die Straßen schallen. „Das ist einfach sinnlos. Um den Bahnhof herum wohnen keine Muslime“, so Dayioglu. Mit der Angst vor möglichen Protesten aus der Bürgerschaft habe die Entscheidung gegen Lautsprecher nichts zu tun. Mehr
Wie Berlin mit Moschee-Bauten umgeht
Von Jens Anker, Sabine Flatau und Alexander Krex
In Deutschland sorgt das Votum der Schweizer gegen Minarette für Aufregung. Auch in Berlin waren schon Bauvorhaben muslimischer Gemeinden umstritten. Doch stehen hier auch die älteste Moschee Deutschlands und Bauten mit Minaretten. Außerdem genehmigen die Ämter mehr Anträge zum Bau von Moscheen, als die Gemeinden schließlich umsetzen.
Link zum Video: Schweizer Minarettverbot
BERLIN – Die Sehitlik-Moschee im Berliner Bezirk Neukölln ist der Stolz vieler Türken. Sie ist ein aufwendiger Zentralkuppelbau im osmanischen Stil mit handgefertigten Kacheln und reichem Kalligraphieschmuck. Weit über 30 Meter ragen ihre beiden schlanken, schneeweißen Minarette mit den typischen Spitzdächern in die Höhe. Einen vergleichbaren Bau mit hohen Minaretten gibt es in der Hauptstadt nicht, abgesehen von einem bereits in den 1920er Jahren entstandenen Sakralbau der Ahmadiyya-Gemeinde nach indischem Vorbild.
Der Schweizer Volksentscheid gegen den Bau neuer Minarette sorgt hier für Empörung. Der Islamlehrer Ibrahim Al-Katib macht am Montag mit seinen Schülern einen Ausflug zur Sehitlik-Moschee am stillgelegten Berliner Flughafen Tempelhof. Zum Votum der Schweizer sagt Al-Katib: «Das ist eine falsche Entscheidung.» Der Islam sei ein Teil Europas geworden. Wer Minarette verbiete, gebe Muslimen das Gefühl, nicht willkommen zu sein. «Ich dachte, die Schweizer wären toleranter.» Mehr
Reaktionen auf Schweizer-Votum
Von Stefan Toepfer
Ünal Kaymakci, stellvertretender Vorsitzender des Rats der Religionen (Mitte) und hier bei einer Debatte zum Hausener Moscheeneubau zu sehen, sieht in der Abstimmung ein Signal der Ausgrenzung
30. November 2009 Als „verheerendes Signal“ hat Ünal Kaymakci, stellvertretender Vorsitzender des Rates der Religionen in Frankfurt und Sprecher der Hazrat-Fatima-Gemeinde, die Volksabstimmung gegen Minarettbauten in der Schweiz bezeichnet. Am Sonntag hatte eine Mehrheit für einen entsprechenden Zusatz in der Bundesverfassung votiert.
Die Abstimmung stehe für Ausgrenzung, sagte Kaymakci. Dabei müsse über den Platz des Islam in den europäischen Gesellschaften diskutiert werden. Fuat Kurt, Vorsitzender des hessischen Landesverbands der Türkischen Anstalt für Religion (Ditib), sieht in dem Votum einen „Schlag gegen die Religionsfreiheit“. Als „sinnlos und kontraproduktiv“ bewertete es Abdullah Uwe Wagishauser, Vorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat, die in Frankfurt ihre Deutschland-Zentrale hat. Die Abstimmung fördere Konflikte, anstatt das Miteinander zu verbessern. Er hoffe, dass sich die Bevölkerung in Deutschland eine Diskussion wie in der Schweiz nicht aufdrängen lasse. Mehr
Die Ahmadiyya-Bewegung mit Sitz in Zürich nimmt das Minarett-Verbot nicht schweigend an. Trotzdem hätten die Muslime zu wenig mobilisiert, sagt der Zürcher Imam Sadaqat Ahmed im Interview.
Als einziges Land in Europa verbietet die Schweiz den Bau von Minaretten. Wie gross ist die Enttäuschung bei Ihnen?
Wir sind sehr enttäuscht und sehr überrascht. Wir hatten nach den Umfragen vor der Abstimmung gedacht, dass die Schweiz ein demokratisches und tolerantes Land ist, welches eine diskriminierende Initiative ablehnen würde. Es gingen aber auch nicht alle Schweizer an die Urne. Von dem her denke ich, dass die Mehrheit der Schweiz nichts gegen Minarette hat. Mehr
Augsburger Muslime feiern Grundsteinlegung
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